Vom ersten Spitalabkommen zu den Kantonsspitälern Liestal und Bruderholz (Geschichte II)

Liestal, Krankenhaus von 1877 (links) und Kantonsspital von 1854

Patienten aus dem unteren Kantonsteil suchten gewohnheitsmässig ein Spital in Basel auf. Die Kapazitäten in Liestal reichten zu keinem Zeitpunkt aus – auch nicht nach der Eröffnung des Krankenhauses 1877. Unter dem Eindruck von Spitaldefiziten erhöhte Basel-Stadt 1946 die Spitaltaxen für Auswärtige und forderte Direktzahlungen von Baselland. Diese wurden mit dem ersten Spitalabkommen 1948 beschlossen – der Grundstein der gemeinsamen Spitalplanung war gelegt. 1952 setzten beide Kantonsregierungen die „paritätische Fachkommission für Spitalfragen“ ein. Diese plädierte in einem ersten Schritt für ein neues Zentrumsspital in Liestal, um den oberen Kantonsteil selbständig versorgen zu können. 1958 war Baubeginn, 1962 konnte der Spitalneubau mit rund 350 Betten in Betrieb genommen werden. Optional wurde der Bau eines neuen Spitals im unteren Kantonsteil vorgesehen. Unter dem Eindruck eines anhaltenden Bevölkerungswachstums und Wartelisten in den Spitälern der Stadt Basel plädierte die paritätische Fachkommission in der Folge für ein Bezirksspital auf dem Bruderholz. Im Spitalabkommen 1966 bekräftigten beide Seiten, dass Baselland selbst für die erforderlichen Spitalbetten zu sorgen habe. Basierend auf den (viel zu optimistischen) Bevölkerungsprognosen und als Ergebnis einer gemeinsamen Spitalpolitik wurde 1969 der Baukredit für das Bruderholzspital mit 540 Betten verabschiedet. 1973 wurde das Bezirksspital eröffnet.

Das Krankenhaus an der Rheinstrasse in Liestal, das 1877 eröffnet werden konnte, war insbesondere für die Patienten aus dem oberen Kantonsteil sowie aus dem angrenzenden Schwarzbubenland bestimmt. Die Kapazität, die mit den vorhandenen Betten ohnehin äusserst knapp bemessen war, reichte für die Patienten aus dem unteren Kantonsteil nicht aus. Doch diese nahmen gewohnheitsmässig ohnehin die Spitalinfrastruktur in Basel in Anspruch. Wie die Gewichte verteilt waren, zeigen exemplarisch die Zahlen Mitte der 1940er-Jahre auf: Während in Liestal jährlich 54’000 Pflegetage geleistet wurden, waren es in Basel 70’000 Pflegetage, die allein von Patienten aus dem Bezirk Arlesheim in Anspruch genommen wurden. Damit suchten 90% der Patienten aus dem unteren Kantonsteil ein Spitalbett in der Stadt auf.1 Hier kam denn auch mehr und mehr Unbehagen gegenüber den kantonsfremden Patienten auf. In Zeiten angespannter Staatsfinanzen schlug das jährliche Spitaldefizit doppelt zu Buche. Im Jahr 1946 etwa wurden 5,5 Millionen Franken ausgewiesen, die das Betriebsdefizit der Krankenanstalten betrug. Dies kam u. a. auch deshalb zustande, weil die auswärtigen Patienten keine kostendeckenden Tarife leisteten. Der Regierungsrat sah deshalb einerseits eine Anpassung der Spitaltaxen für Spitalfremde um 40 bis 50% vor. Zweitens sollte von den angrenzenden Kantonen, insbesondere von Baselland, Direktzahlungen zur Defizitdeckung eingefordert werden.2 1947 traten die erhöhten Spitaltaxen für auswärtige Patienten in Kraft. Parallel dazu wurden Gespräche mit den Behörden des Landkantons aufgenommen. Dieser stellte die Mehrheit der auswärtigen Patienten und hatte – als «Schwerpunkt der Nutzniessung am bisherigen Basler Pestalozzi-Systems», wie sich die Basler Nachrichten ausdrückten3– seit Jahrzehnten von der Zugänglichkeit und der Aufnahmebereitschaft der städtischen Kliniken profitiert. So konnte er sich auch die geringste Spitalbettendichte aller Schweizer Kantone leisten. Die Baselbieter Behörden akzeptierten grundsätzlich die Berechtigung der basel-städtischen Forderung, auch einen Beitrag an die Spitalkosten zu leisten. Konkret wurde im Spitalabkommen von 1948 ein «Aufgeld zur Patientenleistung» pro Pflegetag beschlossen – im Gegenzug sicherte der Kanton Basel-Stadt zu, dass im Kanton Baselland domilizierte Patienten «in der bisherigen Weise und nach Massgabe des vorhandenen Platzes» in der allgemeinen Abteilung aufgenommen werden.4

Die Versuchungen eines Baselbieter Alleingangs

Die Taxen, welche die Patienten aus dem Baselbiet in Basel jedoch neu zu bezahlen hatten, konnten mit dem Spitalabkommen nur unwesentlich reduziert werden und stellten für viele – insbesondere, wenn sie über keine Krankenversicherung verfügten – eine soziale Härte dar. Als Nebeneffekt stieg in der Folge der Druck von Patienten aus dem Bezirk Arlesheim auf das Krankenhaus in Liestal an. Dadurch wurde auch die Behebung des Platzmangels in den basellandschaftlichen Anstalten selbst zum Thema. Nur wenige Monate nach der Ratifizierung des Spitalabkommens legte Spitalverwalter Hans Ammann den Bericht «Die Spitalbaufrage im Kanton Baselland»5 vor. Ausgangspunkt waren die prekären Raumverhältnisse im Liestaler Krankenhaus, die bereits seit langem nur durch den Einsatz von Notbetten überbrückt werden konnten. Ammann schlug deshalb wenig überraschend den Bau eines neuen Spitals in Liestal mit 300 Betten vor. Den Bau eines Zentrumsspitals in der Kantonshauptstadt zog er dem Bau eines Bezirksspitals im unteren Kantonsteil vor. Die Lösung für den Bezirk Arlesheim sah er deshalb im Spitalabkommen mit Basel-Stadt. Für die Baselbieter Patienten sollten jedoch in Basel dieselben Taxen gelten wie in der kantonseigenen Anstalt in Liestal.

In den Unterbaselbieter Gemeinden waren die Erfahrungen in den Gemeindebehörden mit dem Spitalabkommen jedoch nicht durchwegs positiv. Zudem gab es auf der Landschaft starke Stimmen, die einen Weg forderten, den Kanton aus der Zwangslage zu führen, die sich aus der Abhängigkeit von den Basler Spitälern ergeben hatte.6 1951 empfahl die «Fachkommission zur Begutachtung der Spitalbaufrage», die auf der Baselbieter Seite eingesetzt worden war, ein Bauprogramm mit zwei Kantonsspitälern in Liestal und auf dem Bruderholz mit je 230 Betten. Zudem sollte sich der Kanton Baselland am Ausbau des Bezirksspitals im benachbarten Dornach im Kanton Solothurn beteiligen, um die benötigte Bettenzahl sicherzustellen.7 Mit dieser Alleingangsstrategie sollte eine Alternative zum Spitalabkommen etabliert werden. Die Fachkommission war insbesondere von ihrem Projekt eines Unterbaselbieter Spitals auf dem Bruderholz derart angetan, dass sie das Bauland sogleich per Kaufoption sicherstellte. Der Regierungsrat leitete die von der Fachkommission unterbreitete «Lösung der Spitalverhältnisse» mit geringfügigen Anpassungen – insbesondere wurden die Bettenzahlen der beiden Spitäler auf je 180 reduziert – ohne Verzug an den Landrat weiter. So flott sollte es jedoch nicht weitergehen. Der Alleingangsstrategie erwuchs Widerstand. Die vorberatende Landratskommission trat von Anfang an auf die Bremse. Insbesondere die Vertreter des unteren Kantonsteils wollten im Interesse ihrer Bevölkerung die Türe gegenüber der Stadt nicht zuschlagen und forderten weitere Abklärungen und Verhandlungen. Letztlich resultierte ein klassischer Kompromiss, den sie mit den Vertretern des oberen Kantonsteils, die für den Alleingang plädierten, eingingen: Dem Bauprogramm mit je einem Spital in Liestal sowie im Bezirk Arlesheim wurde zwar grundsätzlich zugestimmt. Gleichzeitg sollte der Regierungsrat über das Spitalabkommen Bericht erstatten und mit dem Regierungsrat Basel-Stadt in Verhandlungen treten.8

Geburtsstunde der gemeinsamen Spitalplanung BL/BS

Anfang 1952 verständigten sich die beiden Kantonsregierungen auf die Bildung einer «paritätischen Fachkommission für Spitalfragen». Der Kommission gehörten zwei Ärzte, zwei Spitalverwalter und zwei Architekten für Spitalbauten an. Im Bestreben, die Spitalbaufrage als regionales Problem zu definieren und „in Berücksichtigung der Verhältnisse und Interessen beider Kantone näher abzuklären“, traten die politischen Zusammenhänge traten gegenüber den sachlichen Problemen nun etwas in den Hintergrund.9 Nun ging es schwergewichtig um den regionalen Bettenbedarf, das regionale Bettenangebot sowie die Vor- und Nachteile der verschiedenen Lösungskombinationen. Ihre Schlussfolgerungen waren eindeutig: In Liestal sollte möglichst rasch ein neues Spital mit 250 Betten gebaut werden. Auf den Bau eines zweiten Kantonsspitals im unteren Kantonsteil sollte jedoch vorläufig verzichtet werden. Dieses sei dann vorläufig entbehrlich, wenn die dritte Bauetappe des Bürgerspitals in der Stadt Basel realisiert und ein neues, wesentlich verbessertes Spitalabkommen vereinbart würde.10 Damit war der Weg für die Lösung der Spitalbaufrage vorgezeichnet. Auf dieser Grundlage konkretisierte der Baselbieter Regierungsrat den Liestaler Spitalneubau, regelte mit dem Kanton Solothurn die Beteiligung am Spital Dornach und handelte mit dem Kanton Basel-Stadt ein neues Spitalabkommen aus. Es dauerte gut fünf Jahre, bis der Regierungsrat das ganze Programm im Jahr 1957 mit dem «Gesetz betreffend das Spitalwesen» der Stimmbevölkerung unterbreiten konnte. Dieses enthielt keine Überraschungen, indem es die Vorarbeiten der gemeinsamen Spitalplanung aufnahm: Neben der Errichtung des neuen Kantonsspitals in Liestal, der Beteiligung des Kantons Basel-Landschaft am Ausbau des Dornacher Spitals und der Erneuerung des Spitalabkommens mit Basel-Stadt sah das Programm optional den Bau eines neuen Spitals im unteren Kantonsteil vor, das realisiert werden sollte, wenn es sich als notwendig erweisen sollte.11 Mit über 90 Prozent Zustimmung erhielt das Gesetz in seltener Einmütigkeit seinen Segen auch an der Urne. Dreh- und Angelpunkt war die Option für das Bruderholzspital. Für den unteren Kantonsteil war es ein zusätzliches Angebot, das aktiviert werden konnte, um einer wachsenden Nachfrage nach Spitalbetten oder einer regressiven Basler Spitalpolitik begegnen zu können, wie es der Baselbieter Historiker Ruedi Epple in seiner Fallstudie zur Spitalpolitik im Kanton Basel-Landschaft in der Zeit zwischen 1945 und 1975 auf den Punkt brachte. Und für den oberen Kantonsteil war es ein wichtiges Element für eine selbständige Spitalversorgung.12

Neubau des Kantonsspitals Liestal

Für den Neubau des Kantonsspitals in Liestal mit 315 Betten, einem Schwesternhaus für 130 Schwestern, einem Personalhaus mit 72 Betten für das Verwaltungspersonal, einer Zentralwäscherei und einem Fernheizwerk war bereits 1956 – unter dem Vorbehalt, dass dem «Gesetz betreffend das Spitalwesen» an der Urne zugestimmt wird – ein Kredit von 28,5 Millionen Franken gesprochen worden. Der Hauptauftrag für die Planung der neuen Spitalanlage wurde an das Architekturbüro Dr. R. Steiger und Dr. H. Fietz in Zürich vergeben, das über die notwendige Erfahrung verfügte, um das bisher grösste Bauprojekt des Kantons Basel-Landschaft zu realisieren. Als ausgewiesene Spezialisten für Spitalbauten hatten sich die beiden Architekten bereits beim Neubau des Zürcher Universitätsspitals sowie bei den Kantonsspitälern in Fribourg und Schaffhausen einen Namen gemacht. 1958 war Baubeginn, 1959 folgte die Aufrichtefeier. 1962 konnte der Spitalneubau offiziell eingeweiht und in Betrieb genommen werden. Aufgrund des Bevölkerungswachstums war die Bettenzahl noch unmittelbar nach Baubeginn durch Aufstockung um ein Geschoss auf 357 erhöht und der erforderliche Zusatzkredit vom Landrat genehmigt worden13, nachdem die Bettenzahl bereits gegenüber dem Vorprojekt von 270 auf 310 aufgestockt worden war. Die Erhöhung der Bettenzahl widerspiegelte die enorme Bevölkerungsentwicklung, die auch den oberen Kantonsteil erfasst hatte. Während bei den früheren Berechnungen für das Einzugsgebiet des neuen Kantonsspitals mit einer Bevölkerungszahl von 46‘000 gerechnet wurde, waren es 1956 bei der Genehmigung des Investitionskredites bereits 55‘000 Einwohnerinnen und Einwohner. Und bereits wurde mit einem weiteren Wachstum gerechnet, in absehbarer Zeit sollten es 60‘000 sein – wobei insbesondere die weitere Industrialisierung, speziell im Gebiet Pratteln-Schweizerhalle-Augst, für einen beträchtlichen Schub sorgen sollte.14

Der eigentliche Spitalkern des neuen Spitals gliederte sich in das neungeschossige Bettenhaus, den Behandlungs- und Operationstrakt, den Verwaltungs- und Küchentrakt, die physikalisch-therapeutische Behandlungsabteilung und die Spitalkirche. Die Unterbringung der Patientinnen und Patienten erfolgte in acht Bettenstationen mit je 43 Betten – in je einem Geschoss für die Geburtshilfe und Gynäkologie sowie für die Ohren-, Nasen-, Hals- und Augenkrankheiten und je drei Geschossen für die innere Medizin und die Chirurgie. Das oberste Geschoss diente als Privatstation.15 Das bestehende Krankenhaus mit seinen 160 bis 180 Betten – mit der Inbetriebnahme eines Pavillons mit dem Leichtbaustoff Durisol neben dem Krankenhaus im Jahr 1954 war die Bettenzahl zwischenzeitlich bereits erhöht worden16 – war insbesondere für die chronisch Kranken vorgesehen. Angesichts des ständig zunehmenden Anteils älterer Menschen wurde mit einer erhöhten Nachfrage in diesem Bereich gerechnet. Insgesamt standen am Standort Liestal – verteilt auf die beiden Häuser – nun 530 Spitalbetten zur Verfügung.

Stadt und Land setzen auf die Karte «Bruderholz»

Damit die städtischen Kliniken die Funktion eines Kantonsspitals für den unteren Kantons weiterhin ausüben konnten, war in das vom Landrat 1948 genehmigte Spitalabkommen die folgende Bestimmung aufgenommen worden: «Das Frauenspital, das Hilfsspital, das Bürgerspital, die Augenheilanstalt und das Kinderspital in Basel nehmen in der bisherigen Weise und nach Massgabe des vorhandenen Platzes Patienten, die im Kanton Baselland domiziliert sind, in ihre allgemeinen Abteilungen (III. Verpflegungsklasse) auf.»17 Im Folgeabkommen von 1954 setzte die Baselbieter Regierung eine verpflichtendere Formulierung durch, um den Patientinnen und Patienten mit Wohnsitz im Baselbiet das Recht auf unbeschränkten Zugang zu sichern. Trotzdem musste angesichts des Spitalbettenmankos – das insbesondere auf die bereits erwähnte geringe Bettendichte auf der basel-landschaftlichen Seite zurückzuführen war – auch eine Ausnahmebestimmung vorgesehen werden: «Bei vorübergehendem Platzmangel, insbesondere solange die Krankenanstalt in Liestal nicht erstellt und die 3. Bauetappe des Bürgerspitals nicht vollendet ist, kann die Aufnahme auf medizinisch indizierte Notfälle beschränkt werden, wobei jedoch die aufnahmesuchenden Patienten aus beiden Kantonen gleichgestellt sind.»18 Die Spitäler sahen sich gezwungen, Wartelisten zu führen. 1960 mündeten die sich häufenden Schwierigkeiten bei der Unterbringung der Patienten deshalb in den Beschluss der beiden Kantonsregierungen, das Spitalproblem erneut durch die paritätische Fachkommission abklären zu lassen. Die Hängepartie um die 3. Bauetappe des Bürgerspitals Basel sowie das anhaltende Bevölkerungswachstum erzeugten den entsprechenden Abklärungs- und Handlungsbedarf.

Auftragsgemäss nahm die paritätische Fachkommission 1962 in einem umfassenden Bericht zur ganzen Spitalplanung innerhalb der Region Basel Stellung. Zur alles entscheidenden Frage eines Spitals im Bezirk Arlesheim stellte sie den Antrag, die Projektierung für ca. 400 Akutkrankenbetten sowie für ca. 250 Chronischkrankenbetten inklusive den erforderlichen Personalunterkünften sofort an die Hand zu nehmen. Mit der Planung von zwei Bettenhäusern sollte die Möglichkeit eines etappenweisen Vorgehens geschaffen werden und zunächst allenfalls nur ein Bettenhaus für Akut- und Chronischkranke geschaffen werden. Ausserdem sei eine Platzreserve für eine spätere Erweiterung von 650 Betten vorzusehen.19 Eine erneute Überprüfung zwei Jahre später bestätigte die Bedarfszahlen der aus beiden Kantonen stammenden Experten im Grossen und Ganzen: Für eine erste Bauetappe des Bruderholzspitals ergab sich eine Grössenordnung von mindestens 340 Akutbetten, während bei einem Vollausbau von einem Gesamtbedarf von 560 Akutbetten ausgegangen wurde. Mit den übrigen, insbesondere für Chronischkranke vorgesehenen Betten, ergab sich die stolze Gesamtzahl von rund 1000 Betten. Auf Antrag des Regierungsrates, der entgegen der Empfehlung der Paritätischen Fachkommission zusätzlich eine eigene Kinderabteilung mit 120 – 130 Betten vorsah, verabschiedete der Landrat 1965 einmütig das vorgelegte Vorprojekt für das Bruderholzspital. Dieses sah für die erste Bauetappe ein Bettenprogramm von 540 Betten inklusive Kinderabteilung vor. Auch die Zahl von rund 1000 Betten für den Vollausbau wurde bestätigt.

Parallel zum Spitalprojekt auf dem Bruderholz wurde durch die Paritätische Fachkommission ein neues Spitalabkommen ausgearbeitet und den beiden Kantonsregierungen zugeleitet. Mitte 1966 wurde es von den beiden Kantonsparlamenten genehmigt. Für die regionale Spitalplanung wurde – auf der Grundlage des aus dem Zuwachs und der Verteilung der Bevölkerung ermittelten Bettendarfs und -programms – insbesondere vereinbart, dass der Kanton Basel-Landschaft „in stark vermehrtem Masse“ für die Beschaffung eigener Spitalbetten zu sorgen habe. So sei die erste Etappe des Bruderholzspitals zu fördern und die aufgrund des Bevölkerungswachstums zusätzlich erforderlichen Akutkrankenbetten durch Baselland zur Verfügung zu stellen.20

Auf der rechtlichen Grundlage eben dieses neuen Spitalabkommens erhielt die Paritätische Fachkommission 1967 den Auftrag, die Spitalkonzeption in der Region Basel erneut zu überprüfen. Demgemäss waren der bikantonalen Kommission alle, die beiden Kantone betreffenden regionalen Spitalbau- und Betriebsfragen zu unterbreiten. Zu ihren Aufgaben gehörte insbesondere „die laufende Überprüfung der regionalen Spitalkonzeption, namentlich durch Ermittlung des Bettenbedarfs und Erstellung des entsprechenden Bettenprogramms.“ Es gebe nichts Dynamischeres und Unbeständigeres als Spitäler, hielten die Sanitätsdirektoren der beiden Basel in ihrem Auftragsschreiben an die Fachkommission fest. Gleichzeitig erwarteten sie «eingehend begründete Vorschläge für den weiteren Ausbau der Krankenanstalten und für deren Betrieb.»21
Die Paritätische Fachkommission stellte umfangreiche Abklärungen an, darunter insbesondere auch zu den «Bevölkerungsbewegungen», wie sie es nannte. Aus den verschiedenen Prognosen ergaben sich die folgenden Bevölkerungszahlen:

1965: BS 233’347 / BL 177’929 / Region BS-BL 411‘276

1975: BS 259’000 / BL 230’000 / Region BS-BL 489‘000

1985: BS 284’000 / BL 289’000 / Region BS-BL 573‘750

1995: BS 300’000 / BL 348’000 / Region BS-BL 648‘000

Tatsächlich hatte die Einwohnerzahl im Bezirk Arlesheim von 1950 bis 1968 um 60‘000 Einwohnerinnen und Einwohner stark zugenommen. Die Aufnahmekapazität war in den Augen der Fachkommission damit aber noch bei weitem nicht ausgeschöpft, wie die Zahlenreihen zeigen.

Basierend auf den Prognosen erfolgte als Ergebnis einer gemeinsamen Spitalpolitik – nebst dem Hinweis auf die zentrale Bedeutung der 3. Bauetappe des Bürgerspitals Basel – die Empfehlung der Paritätischen Fachkommission, die erste Bauetappe des Bruderholzspitals möglichst bald zu realisieren.22 Mit diesem Entscheid waren die Würfel endgültig gefallen. Sollte die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung jedoch nicht eintreten, würde die Region BS/BL bald über zu viele Akutbetten verfügen. So ist es dann auch eingetreten.

1968 legte der Regierungsrat dem Landrat das Bauprojekt und den Kreditantrag vor. Dieser stimmte 1969 dem Baukredit von 112 Mio. Franken zu. Bereits wenige Wochen später erfolgte der Spatenstich. 1971 fand die Aufrichtefeier statt, und 1973 konnte das Bruderholz-Spital eröffnet werden.

Quellenangaben

1 Rotzetter, 66.
2 StABL, Eingabe des Sanitätsdepartements des Kantons Basel-Stadt an die Eidg. Preiskontrolle vom 21.3.1947.
3 Basler Nachrichten vom 14./15. August 1948.
4 Epple, 489.
5 Ammann, 3ff.
6 Epple, 505.
7 StABL, Bericht der Fachkommission zur Begutachtung der Spitalbaufrage vom 2.7.1951 an die Expertenkommisssion zur Begutachtung der Spitalbaufrage im Kanton Basel-Landschaft.
8 StABL, Protokoll der Kommission betreffend die Spitalbaufrage zur 1. Sitzung und Augenschein vom 26.10.1951.
9 Epple, 513.
10 StABL, Bericht der paritätischen Fachkommission für Spitalbaufragen an die Regierungsräte der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt betreffend Lösung des Spitalbauproblems des Kantons Basel-Landschaft vom 11. September 1952.
11 StABL, Vorlage für die kantonale Volksabstimmung vom 5. Mai 1957.
12 Epple, 517.
13 StABL, Stellungnahme der paritätischen Fachkommission zur Spitalkonzeption in der Region Basel vom Februar 1968, Beilage 4, 2.
14 StABL, Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft an den Landrat betreffend Spitalbauprojekt in Liestal und Beteiligung an den Ausbaukosten des Bezirkspitals Dorneck in Dornach vom 22. August 1956.
15 „Landschäftler“ Nr. 209 vom 6. September 1962.
16 StABL, Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft an den Landrat betreffend verwendung des Sanatoriums Erzenberg in Langenbruck und betreffend die Behebung der Raumnot in der Krankenanstalt durch die Erstellung einer Durisol-Baracke (vom 12. März 1954).
17 StABL, Protokoll des Landrates vom 29. April 1948.
18 StABL, Bericht des Regierungsrates betr. die Neuregelung der Kostgeldtaxen für basellandschaftliche Patienten in den allgemeinen Abteilungen der Basler öffentlichen und privaten Spitäler.
19 StABL, Die Paritätische Fachkommission für Spitalfragen an die Regierungsräte der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt betreffend die Errichtung eines Spitals im Bezirk Arlesheim (Bruderholz), Liestal und Basel, Februar 1962.
20 StABL, Bericht des Regierungsrates betreffend die Vereinbarung zwischen den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt betreffend das gemeinsame Vorgehen in Fragen der regionalen Spitalplanung, der regional koordinierten Betriebsführung und der finanziellen Belange des Spitalwesens der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt (Spitalabkommen) vom 25. Januar 1966.
21 StABL, Paritätische Fachkommission für Spitalfragen, Spitalkonzeption in der Region Basel, Basel und Liestal, Februar 1968, Beilage 1.
22 StABL, Paritätische Fachkommission für Spitalfragen, Spitalkonzeption in der Region Basel, Basel und Liestal, Februar 1968.