Vom Aussätzigenspital zum Krankenhaus: Die Wurzeln des Baselbieter Spitalwesens in Liestal (Geschichte I)

Liestal, Unteres Spital oder Siechenhaus, im 14. Jh. errichtet, Neubau von 1769, in Betrieb bis 1854

Im 13. Jh., zur Zeit der Stadtgründung Liestals, wurde beim Oberen Tor ein „Spital errichtet – eine Herberge für Reisende, Pilger und Bettler. Als „Oberes Spital“ etablierte es sich im 15. Jh. dann stärker als Institution für die eigene Bevölkerung, wo Arme, Alte und Kranke unterkamen. Das Sammellager war jedoch nicht Kranken-, sondern Pfrundanstalt: Die Insassen genossen Versorgung auf Lebenszeit, im Gegenzug übertrugen sie ihre Vermögenswerte auf die Betreiber. Im 14. oder 15. Jh. kam ein Aussätzigenspital – als Siechenhaus ausserhalb der Stadtmauern errichtet – hinzu. Isoliert von der Bevölkerung wurden hier, im „Unteren Spital“, Leprakranke aufgenommen. Nach dem Rückgang des Aussatzes stand – wie beim „Oberen Spital“ – die Aufnahme von Kranken und Bedürftigen als Pfründer im Vordergrund. Die Spitäler waren kirchlich bestimmt, medizinisch-therapeutische Konzepte fehlten. Deshalb dominierten chronisch Kranke ohne Aussicht auf Heilung, die Behandlung akut Erkrankter fand ausserhalb der Spitäler statt. 1602 wurde das Obere Spital, 1769 das Untere Spital neu errichtet. Da die Pfründer lebenslang hier verblieben, konnte die chronische Überfüllung nicht überwunden werden. Diese akzentuierte sich weiter, als 1833 die beiden Spitaler im „Unteren Spital“ zusammengelegt wurden. Im Sinne eines Monumentalbaus wurde deshalb 1854 das neue Kantonsspital eröffnet, das jedoch trotz eigener Krankenabteilung immer noch mehr Pfrund- denn Krankenhaus war. Erst mit dem neuen Krankenhaus von 1877 konnte die medizinische Seite gestärkt und ein neues Zeitalter der stationären Krankenpflege im Kanton eingeläutet werden.

Die Wurzeln der Krankenfürsorge reichen in Liestal bis ins Hochmittelalter zurück. Vermutlich bereits zur Zeit der Stadtgründung wurde im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts innerhalb der Stadtmauern beim Oberen Tor ein Spital errichtet. Da Liestal seine Gründung der verkehrstechnisch ausserordentlich günstigen Lage an einer wichtigen Strasse zu verdanken hatte, stand auch der Bau des Spitals in einer engen Beziehung mit den Bedürfnissen der Durchreisenden. Wie in anderen Städten war dieses ursprünglich ein Ort, wo den Reisenden, Pilgern oder Bettlern eine Herberge geboten wurde. Ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tritt das Liestaler Stadtspital klarer hervor und etablierte sich als Institution der Fürsorge und Versorgung für Arme, Alte und Kranke aus der eigenen Bevölkerung. Mit einem «Spital» nach heutigem Verständnis hatte diese Institution ausser dem Namen jedoch nicht viel gemeinsam.1 Vielmehr war es ein multifunktionales Sammellager für alle Randständigen und war Armen- und Invalidenhaus, Kranken- und Irrenanstalt in einem und hatte bald den Charakter einer reinen Pfründneranstalt. Als Pfründer übertrugen die Insassen ihr ganzes Vermögen oder einzelne Vermögenswerte dem «Pfrundgeber» als Beitreiber der Anstalt, und im Gegenzug für diese Verpfründung gewährte dieser Unterhalt und Pflege auf Lebenszeit. Es lag deshalb in der Natur der Sache, dass kaum jemand nach seiner Einweisung aus dieser Einrichtung zu Lebzeiten jemals wieder herauskam. Das lebenslange Verbleiben von immer mehr Pfründern führte zur chronischen Überfüllung von Anstalten wie dem Spital in Liestal.

Das Stadtspital war jedoch nicht die alleinige Unterbringungsanstalt in Liestal. Im 14. oder 15. Jahrhundert war ausserhalb der Stadtmauern zusätzlich eine Zufluchtsstätte für Aussätzige – nach der später als Lepra bezeichneten Krankheit auch „Leprosorium“ genannt – gegründet worden.2 Es wurde unterhalb des Unteren Tores an der alten Landstrasse am Röserenbach angelegt. Das genaue Datum der Errichtung des Liestaler Aussätzigenspitals lässt sich nicht näher bestimmen, es liegt zwischen dem Bau des Siechenhauses von St. Jakob an der Birs von 1265 und demjenigen von Pratteln im Jahr 1467. Der Aussatz hatte sich im Europa des Mittelalters vor allem durch die Kreuzzüge verbreitet. In der Schweiz waren vom 12. bis 16. Jahrhundert weit über zweihundert Siechenhäuser zur Aufnahme Leprakranker gebaut worden.3 Auf dem Höhepunkt der Verbreitung wurde auch in Liestal ein Siechenhaus – das „Untere Spital“, wie es später genannt wurde – errichtet.

Als „Siechen“ wurden seit jeher die Aussätzigen bezeichnet, die in besonderen Stätten untergebracht wurden, um sie von der übrigen Bevölkerung zu isolieren. Auch Kranke, die unter anderen Infektionskrankheiten wie Pest oder Syphilis litten, wurden hier untergebracht. Leprosorien lagen immer ausserhalb der Stadtmauern, möglichst unterhalb der Stadt, zugleich aber in verkehrsgünstiger Lage an einer Strasse, damit genügend Leute daran vorbeigingen, um Almosen zu geben. Die Ausgrenzung der Kranken ergab sich aus der Ansteckungsgefahr für die Gesunden. Die Positionierung sollte deshalb die Kontrollierbarkeit und Isolationsmöglichkeit der Insassen in Krisensituationen ermöglichen. Auch ein Fliessgewässer sollte in der Nähe sein, um die Aussätzigen mit eigenem Wasser zu versorgen und um die Ansteckungsgefahr durch von ihnen verunreinigtes Wasser zu bannen.4 Als das Siechenhaus durch den Rückgang der Lepra seine ursprüngliche Bestimmung verloren hatte, richtete es sich neu aus. Im Vordergrund stand nicht mehr die Absonderung von Menschen mit ansteckenden Krankheiten aus seuchenhygienischen Gründen. Nun nahm es andere Kranke und Bedürftige auf.5 Sie alle waren entweder stark pflegebedürftig oder aus einem anderen Grund nicht mehr in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Deshalb wurden sie von den Behörden oder ihren Familien in das Siechenhaus eingewiesen oder abgeschoben. Dabei handelte es sich konkret um Menschen aus den Gemeinden, die «mit besonderen Übeln, ansteckenden Krankheiten, Fallsucht, Irrsinn, Tobsucht behaftet oder körperlich verunstaltet waren».6 In diesem Sinne glich es sich strukturell vollständig dem Stadtspital, welches für die nicht ansteckenden Krankheiten konzipiert worden war, an.

Kommunal und doch kirchlich geprägt: Die seelische Ansprache der Kranken stand bei den frühen Spitälern im Vordergrund

Auch wenn die Spitäler in der Regel kommunale Einrichtungen waren, können sie ursprünglich nicht als weltliche Einrichtungen aufgefasst werden. Institutionell waren sie weitgehend kirchlich bestimmt.7 Anstalten der Fürsorge und Versorgung wie Siechenhäuser und Spitäler waren seit dem Frühmittelalter aus kirchlichen Institutionen hervorgegangen, die im Sinne praktizierter christlicher Barmherzigkeit grösstenteils von religiösen Ordensgemeinschaften unterhalten wurden. Ein Bezug zum Kloster Olsberg oder insbesondere zum Kloster Schönthal, das wie die Stadt Liestal eine Gründung der Grafen von Froburg war, kann deshalb vermutet werden. Es kann jedoch auch sein, dass sich neben Ordensleuten auch Weltgeistliche um die Bedürftigen kümmerten. So sind etwa ab 1464 die Namen der mit der Seelsorge am Stadt- bzw. «Oberen Spital» betrauten Priester überliefert.8 Neben dem «Unteren Spital» stand zudem eine Kapelle. Es kam vor allem in der Deutschschweiz vergleichsweise häufig vor, dass Siechenhäuser über eine eigene Kapelle verfügten. Für den Bau und Unterhalt war jeweils die Stadt zuständig.9 Ob der Kapelle in Liestal auch ein Kaplan zugeordnet war, zu dessen Seelsorgebereich das Siechenhaus gehörte, lässt sich nicht sagen.

In den beiden Versorgungsanstalten standen die seelische Ansprache der gebrechlichen Armen und Kranken sowie religiöse Übungen im Vordergrund; denn ansonsten waren die beiden Spitäler nicht therapeutisch ausgerichtet. Neben armen, alten, verwitweten, invaliden, geistig behinderten und psychisch kranken Menschen gehörten auch körperlich Kranke zu den Bewohnern – insgesamt je zwei oder maximal drei Dutzend Personen. Eine chronische Krankheit ohne wahrscheinliche Aussicht auf Heilung war dabei ein wesentliches Aufnahmekriterium, da beide Anstalten wie bereits erwähnt als Pfrundhäuser konzipiert und somit auf die dauernde Versorgung ihrer Insassen ausgerichtet waren. Spezifisch medizinisch-therapeutische Kompetenzen waren in solchen Institutionen nicht vorhanden, ärztliche Betreuung wurde nur sporadisch zugekauft.10 In der Bevölkerung genossen diese Einrichtungen deshalb nur wenig Vertrauen. Wer es sich irgendwie leisten konnte, liess sich deshalb privat unterbringen und behandeln. Die Behandlung akut Erkrankter fand ohnehin ausserhalb des Spitals statt, da diese viel aufwendiger gewesen wäre als die dauernde Versorgung von Alten, Armen und Waisen. Bei akuten, kurzfristigen Krankheiten waren die Betroffenen sich selbst bzw. ihren Familien – unter Beizug der örtlich oder regional wirkenden Bader, Chirurgen oder alternativen „Heilpraktikern“– überlassen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eben gerade bei chronischen Krankheiten, bei denen die Ärzte keinen Rat mehr wussten, das damalige Spital zur letzten Station wurde.

1600 bis 1877: Prekäre Zustände

1602 wurde das innerhalb der Stadtmauern gelegene Spital auf den Grundmauern des Vorgängerbaus neu errichtet.11 Das alte Siechenhaus war infolge Platzmangels hingegen bereits um 1500 erweitert worden. Seit der Erweiterung soll es, in vorwiegend schlechtem Zustand, während fast 300 Jahren keine Veränderungen mehr erfahren haben. Die Ausstattung, ohnehin mehr als kärglich, führte auf Grund der steigenden Zahl der Pfleglinge – im Siechenhaus und im Spital beim Oberen Tor in Liestal allein von 1659 bis 1727 von insgesamt 60 auf bis zu 120 – zu prekären Situationen.12 Die Betreuung durfte jedoch in jeder Hinsicht keinen grossen personellen und materiellen Aufwand verursachen. „Es ist nicht recht, dass Alle durcheinander leben müssen, brave, fromme, unglücklich gewordenen Leute mit den Säufern und Ruchlosen, Kranke mit den Gesunden, Geisteskranke mit den Verstümmelten“, schrieb 1736 der damalige Pfleger an die zuständige Verwaltungsstelle. Immerhin erreichte er, dass in einem Hinterzimmer eine separate Krankenstube eingerichtet werden konnte13, das jedoch bloss als „ ein düsteres kleines Zimmer“ geschildert wurde14. 1769 wurden die überfüllten und „niederen dumpfen Räume“ des alten Siechenhauses, das von Einsturz und Feuergefahr bedroht war, durch einen Neubau abgelöst. Dieser wurde als „schönes geräumiges Gebäude“ mit „sehr hohen, luftigen Zimmern“ wahrgenommen.15 Die Zahl der Krankenzimmer wurde vergrössert und ein Behandlungszimmer für Kranke sowie für das Rasieren der Männer eingerichtet.16 Nach dem Bezug der neuen Anstalt durch rund 60 Pfründer stieg die Zahl der Insassen jedoch – trotz zwischenzeitlich stabilisierender Massnahmen – stetig an. So zählte man 1807 bereits 143 Personen.17 Dementsprechend herrschten in den berstend vollen Räumen problematische Zustände. Diese Situation akzentuierte sich zusätzlich, als nach der Kantonstrennung von 1833 das Obere Spital – das 1816 an den Gestadeckplatz verlegt worden war – jedoch aus wirtschaftlichen aufgehoben und alle Spitalinsassen ins Untere Spital überführt. Dabei handelte es sich um rund 60 Patientinnen und Patienten.18 Die Platznot im Siechenhaus wurde dadurch nochmals erheblich verschärft, befanden sich doch seit 1833 rund 200 Insassen dort.

Somit war das Landarmenspital, wie es nun genannt wurde, völlig überfüllt. An einen geordneten Betrieb war nicht mehr zu denken. Kranke und Gesunde, Siechende und Blödsinnige seien so durcheinander geworfen, dass es seitens der Pflegenden unmöglich sei, Ordnung und Reinlichkeit aufrecht zu erhalten. So hiess es 1840 in einem Bericht an die kantonale Sanitätskommission, der vom damaligen Spitalarzt zusammen mit dem ehemaligen Spitalapotheker verfasst worden war.19 Die Behörden mussten sich deshalb bald mit einem Erweiterungs- oder Neubau auseinandersetzen. Insbesondere sollten die gesunden von den kranken Insassen getrennt werden. 1854, nach einer längeren Planungsphase, war der Bau fertig. Der für 360 Personen errichtete Neubau in Form eines monumentalen Hufeisens enthielt in den Flügelbauten die für die „Geisteskranken“ reservierten Zellen, während das gesamte Erdgeschoss des Hauptbaus die Funktion einer Krankenabteilung erhielt.20 Dieser Spitalbau, der als „grosser Palast“ bezeichnet wurde, stellte für den jungen Kanton einen Repräsentationsbau erster Güte dar. Mit dem Leben in einem Palast hatte der Alltag vieler Insassen jedoch nichts zu tun. Zu gravierend waren die Missstände, die in der Unterbringung und der Pflege bestanden. Eine gewisse Verbesserung trat ein, als geschulte Schwestern der Diakonissenanstalt in Riehen in der Pflege eingesetzt werden konnten. Da jedoch aus Spargründen der Vorschlag, die Pflegeleitung einer Diakonissin zu unterstellen, abgelehnt wurde, blieben in Liestal viele Missstände bestehen.21 Die Anstaltsorganisation und -ordnung wurde nicht etwa vom Spitalarzt, sondern vielmehr vom Spitalpfleger – wie der Spitalverwalter seit jeher genannt wurde – dominiert. Ökonomische Gesichtspunkte und entsprechende Rücksichten standen bei der Verwaltung demgemäss im Vordergrund. Akzentuiert wurde diese Situation durch den Umstand, dass die Anstalt materiell chronisch unterdotiert war.

Gemäss einer Initiative des kantonalen Sanitätsrates von 1869 sollte die Stellung des Spitalarztes und generell der Einfluss der medizinischen Seite gestärkt werden. Für den Spitalarzt sollte deshalb eine Wohnung im Spital eingerichtet und dem Sanitätsrat selbst mehr Einfluss eingeräumt werden.22 Da jedoch nur die Krankenabteilung der Aufsicht des Sanitätsrates unterstand, für die Irren- und Pfrundabteilung hingegen die Verwaltungskommission des Landarmengutes zuständig war, wurden die Vorschläge in einem Zuständigkeitsstreit zerrieben. Der Sanitätsrat nehme zu sehr den Standpunkt des Arztes ein und messe dem Kantonsspital mehr den Charakter eines Krankenhauses zu, wurde er harsch zurecht gewiesen. Wenn der Arzt beim Spital wohne und die ärztlichen Funktionen im Spital künftig „nicht Neben-, sondern Hauptsache“ seien, habe dies weitreichende finanzielle Konsequenzen, die kaum jemand tragen wolle. Die eigentliche Bestimmung des Spitals sei immer noch die eines Pfrundhauses.23 Damit war die Anstaltsreform vorerst abgeblockt worden – es sollte jedoch nicht lange dauern, bis eine Lösung der anstehenden Probleme mit aller Vehemenz erneut auf die Traktandenlisten der kantonalen Behörden drängte.

Ab 1877: Endlich ein echtes Krankenhaus – doch die Überfüllung bleibt chronisch

Aus verschiedenen Gründen war das für 360 Personen erbaute Kantonsspital innert zehn Jahren seit dem Bezug bereits in allen drei Abteilungen überfüllt.24 Dies führte im Alltag vieler Patientinnen und Patienten zu unzumutbaren Verhältnissen Neben dem Verbleiben von immer mehr chronisch Kranken bzw. ihrer lebenslangen Verwahrung führte auch der Bevölkerungszuwachs, der im 19. Jahrhundert einsetzte, zur Überfüllung. Ein Grund wurde aber auch in den veränderten Lebensbedingungen im industriellen Zeitalter gesehen, weil sich immer weniger Familien in der Lage gesehen hatten, kranke Angehörige zu pflegen.25 Eine Lösung der Platzprobleme wurde deshalb durch die Herauslösung der Krankenabteilung aus dem Kantonsspital und die Erstellung eines separaten Krankenhauses angestrebt. 1871 beschloss der Regierungsrat den Neubau eines Krankenhauses auf dem Mattenareal direkt neben dem Kantonsspital. Diese neue Klinik konnte 1877 eröffnet werden, sie umfasste anfänglich insgesamt 78 Kranken- und Personalbetten.26 Nun konnte auch der Einfluss der Ärzte auf den Betrieb gesteigert werden, sodass ein neues Zeitalter der stationären Krankenpflege im Kanton eingeläutet werden konnte. Die personelle Situation blieb jedoch angespannt. Bis Mitte der 1950er-Jahre war ein Chefarzt für die Disziplinen Chirurgie, Innere Medizin und Geburtshilfe zuständig. Unterstützt wurde er von einem Oberarzt und drei bis vier Assistenzärzten. Dies bedeutete für alle Mitglieder des kleinen Teams sehr hohe Einsatzzeiten.

Das Allgemeine Krankenhaus diente bis zum Bezug des neuen Kantonsspitals im Jahre 1962 auf der gegenüberliegenden Seite der Rheinstrasse für die Aufnahme zahlreicher Patienten. Diese stammten vorwiegend aus den oberen Bezirken und dem angrenzenden Schwarzbubenland. Die Patienten aus dem Bezirk Arlesheim gingen traditionsgemäss in die Spitäler von Basel-Stadt, zumal in Liestal die nötigen Betten fehlten. Hier konnte mit drei An- und Umbauten die Bettenzahl im Laufe der Zeit auf 139 erhöht werden. Trotzdem mussten auch nach der Erweiterung von 1922/23 dauernd durchschnittlich 50 Notbetten eingesetzt werden – in der Folge waren die Patientenzimmer überbelegt und auch die Nebenräume und Korridore belegt. Die Pflege fand deshalb unter erschwerten Bedingungen statt. Aber auch bei der Behandlung herrschten prekäre Verhältnisse. Da nur zwei Operationssäle zur Verfügung standen, war eine klare Trennung von septischen und aseptischen Operationen nur schwer möglich. Im Jahr 1954 wurde mit der Wahl des Chefarztes für Innere Medizin eine erste Anpassung an die Erfordernisse eines Kantonsspitals vorgenommen. Ebenfalls konnte 1954 ein Pavillon mit 53 Betten als Provisorium errichtet werden. Nachdem in der Volksabstimmung von 1957 dem Bau des neuen Kantonsspitals zugestimmt worden war, konnte 1958 damit begonnen werden. Die Betriebsaufnahme erfolgte 1962. Damit begann ein neuer Abschnitt im Spitalwesen des Kantons Basel-Landschaft.27

Quellenangaben

1 Vgl. Watzka, 58.
2 Ott (2017), 16.
3 Müller, 76ff.
4 Gilomen-Schenkel, 121; Watzka, 61.
5 Müller, 35, 82.
6 Heim, 3.
7 Gilomen-Schenkel, 117.
8 Gauss, 17.3.1925.
9 Müller, 80.
10 Watzka, 63.
11 INSA, 463.
12 Birmann (1894, II), 450–451.; Heim, 6.
13 Birmann (1894, I), 341.
14 Birmann (1894, II), 452.
15 Lutz, 6; Heim 14.
16 StA BL, UE 4301, 06.01, Inventar 1810.
17 StA BL, VR 3263, 32.20, Pfründerrodel 1768.
18 StA BL, UE 4301, 06.01, Pfründerrodel 1809.
19 StA BL, NA 2166, E2, Bericht vom 6. September 1840.
20 Birmann (1872), 5; Rebsamen et al., 421.
21 Ott (2017), 44f.
22 StA BL, NA 2166, E2, Bericht der Verwaltungskommission vom 16. Februar 1871, 1; StA BL, NA 2070, C1, Amtsbericht 1870, 112ff.
23 StA BL, NA 2166, E2, Bericht der Verwaltungskommission vom 16. Februar 1871, 8.
24 StA BL, NA 2166, E2, Landratsvorlage vom 17. März 1886, 3.
25 Ott (2017), 56.
26 Ott (2017), 58.
27 Rotzetter, 60ff.