Spitalgeschichte des Kantons Basel-Landschaft:
Die Meilensteine

Liestal, Ergolzhof, Standort des «Oberen Spitals» von 1816 bis 1833

Die Baselbieter Spitäler vom 13. Jahrhundert bis heute

13. Jh.

Errichtung des «Oberen Spitals» zur Zeit der Stadtgründung innerhalb der Stadtmauern Liestals an der Spitalgasse beim Oberen Tor, zunächst als Herberge für Reisende, Pilger und Bettler, ab dem 15. Jh. dann insbesondere als Pfrundanstalt für die eigene Bevölkerung, wo Arme, Alte und Kranke unterkommen.

14. Jh.
Errichtung des «Unteren Spitals» als Aussätzigenspital unterhalb der Stadtmauern Liestals an der Rheinstrasse. Nach dem Rückgang des Aussatzes strukturelle Angleichung ans „Oberen Spital“ und Aufnahme von Kranken und Bedürftigen als Pfründer.

um 1500  
Erweiterung des «Unteren Spitals».

1602 
Neubau des «Oberen Spitals» am bestehenden Standort.

1769 
Neubau des «Unteren Spitals» als «Sonder-Siechen- und Armenhaus zum Trost des Landvolks».

1816
Verlegung des «Oberen Spitals“ von der Spitalgasse an den Gestadeckplatz in den Ergolzhof, der alte Standort im Stadtkern dient der Stadt Liestal als Armenhaus.
Ausscheidung eines speziellen, mit rund 400‘000 Franken geäufneten Armenfonds aus dem Kirchen- und Schulgut im Hungerjahr 1816/17.

1832
Das Vermögen des Landarmengutes beträgt bei der Kantonstrennung rund 450‘000 Franken. Das Kirchen-, Schul- und Landarmengut wird einer Kommission zur Verwaltung übergeben, um es vom übrigen Staatsgut getrennt zu halten.

1834
Zusammenlegung des «Oberen Spitals» mit dem «Unteren Spital» zum «Landarmenspital» am Standort des «Unteren Spitals». Die Zusammenlegung beschleunigt die Forderungen nach einem Neubau des Spitals.
Erlass des «Gesetzes über die materielle und ökonomische Verwaltung des Landarmengutes für den reformierten Landestheil», aufgenommen werden «diejenigen, welche mit unheilbaren Krankheiten behaftet sind, z. B. Irre, Blödsinnige, mit monströsen Gebilden Behaftete», zudem «altersschwache Personen, welche einer besonderen Pflege bedürfen, und den Gemeinden zur Last fallen».

1840
Bericht von Dr. Jakob Jenny, Spitalarzt, und Dr. med. Johann Jakob Gutzwiller, Sekretär der kantonalen Sanitätskommission und Liestaler Bezirksarzt, an die kantonale Sanitätskommission über den Zustand des Landarmenspitals («Die Anstalt habe die zweifelhafte Ausstrahlung eines schlecht eingerichteten und unsauberen Gefängnisses») und die dringende Notwendigkeit eines Neubaus.

1842
Dringlicher Antrag der Sanitätskommission an den Regierungsrat für die Erweiterung des Landarmenspitals.

1851
Zustimmung des Landrates zum Neubau des Kantonsspitals.

1854
Eröffnung und Bezug des neuen Kantonsspitals («Pfrund») für 360 Personen in Liestal. Der Monumentalbau in Form eines nach allen Seiten offenen Hufeisens enthält im Erdgeschoss eine Krankenabteilung. Die beiden anderen Abteilungen sind für die Pfründer und die «Irren» bestimmt.

1869
Eingabe des Sanitätrsrates bei der Verwaltungskommission des Kirchen-, Schul- und Landarmengutes. Die Stellung des Spitalarztes und generell der Einfluss der medizinischen Seite sei zu stärken.

1871
Noch im Januar lehnt die Verwaltungskommission des Kirchen-, Schul- und Landarmengutes lehnt die Vorschläge des Sanitätsrates aus finanziellen Gründen ab. Die eigentliche Bestimmung des Kantonsspitals sei die eines Pfrundhauses, nicht eines Krankenhauses.
Im September setzt sich in der Verwaltungskommission die Ansicht durch, dass nur die Errichtung eines eigenen Krankenhauses in Liestal Abhilfe schaffen kann. An einer gemeinsamen Sitzung des Regierungsrates, des Sanitätsrates und der Verwaltungskommission wird die Errichtung beschlossen.

1870er-Jahre 
Einkauf des Birsecks in das Landarmengut zu einer Einkaufssumme von 115‘000 Franken, womit das Landarmengut «ein gemeinschaftliches Eigentum sämtlicher basellandschaftlicher Gemeinden» wird und im Kantonsspital insbesondere bezüglich Kost- und Pfleggeld die Gleichstellung aller Kantonsbürger erfolgt. Mit der Einkaufssumme kann ein Teil an die Baukosten des Krankenhauses von total 280‘000 Franken geleistet werden.

1877
Das neue Krankenhaus in Liestal kann eröffnet werden, es umfasst insgesamt 78 Kranken- und Personalbetten.

1894
Angliederung eines Absonderungshauses für Infektionskrankheiten an das Krankenhaus.

1906
Anbau von zwei Operationssälen an das Krankenhaus.

1920–1922
Gründliche Überholung des Krankenhauses aus dem Ertrag einer Sondersteuer, die als Zuschlagssteuer seit 1920 erhoben wird, da es die grossen Ansprüche an den Staat während des Ersten Weltkriegs verunmöglicht haben, eine Vorfinanzierung zu bilden. U.a. Erstellung von Personal- und Tagräumen.

1930 
Annahme des Spitalgesetzes und Überführung der Kranken-, Heil- und Pflegeanstalten vom Landarmengut zum Kanton.

1947
Schaffung der Sanitätsdirektion als eigenständige Direktion.
Angesichts wiederkehrender Spitaldefizite führt Basel-Stadt erhöhte Spitaltaxen für auswärtige Patienten ein und fordert von den angrenzenden Kantonen, insbesondere von Baselland, Direktzahlungen zur Defizitdeckung ein. Insgesamt suchen deutlich mehr BL-Patienten ein Spital in der Stadt Basel statt in Liestal auf.

1948
Im ersten Spitalabkommen zwischen Basel-Landschaft und Basel-Stadt wird ein «Aufgeld zur Patientenleistung» pro Pflegetag seitens Baselland beschlossen. Im Gegenzug sichert Basel-Stadt weiterhin die Aufnahme von BL-Patienten in der allgemeinen Abteilung der BS-Spitäler zu.

1951
Als Gegenstrategie zum Spitalabkommen empfiehlt auf der Baselbieter Seite die «Fachkommission zur Begutachtung der Spitalbaufrage» ein Bauprogramm mit zwei Kantonsspitälern in Liestal und auf dem Bruderholz mit je 230 Betten.
Der Landrat stimmt dem Bauprogramm mit je einem Spital in Liestal sowie im Bezirk Arlesheim grundsätzlich zu. Gleichzeitig soll der Regierungsrat über das Spitalabkommen Bericht erstatten und mit dem Regierungsrat Basel-Stadt in Verhandlungen treten.

1952
Bildung der «paritätischen Fachkommission für Spitalfragen» durch die beiden Kantonsregierungen.
Gemäss der paritätischen Fachkommission soll in Liestal so rasch als möglich ein neues Spital mit 250 Betten gebaut werden. Auf den Bau eines zweiten Kantonsspitals im unteren Kantonsteil soll jedoch zugunsten eines neuen Spitalabkommens vorläufig verzichtet werden.

1954
Errichtung eines Leichtbau-Pavillons neben dem Krankenhaus mit 53 Betten als Provisorium bis zum Bezug des neuen Kanstonsspitals.
Folgeabkommen zum Spitalabkommen BS/BL.

1957
Das «Gesetz betreffend das Spitalwesen» wird an der Urne mit überaus grosser Mehrheit angenommen. Es bestätigt die Empfehlung der Fachkommission von 1952 . Konkret beinhaltet die Vorlage einen Kredit von 28,5 Millionen Franken für den Neubau des Kantonsspitals in Liestal. Überdies bewilligt das Parlament einen Beteiligungskredit des Kantons am Neubau des Bezirksspitals Dornach in der Höhe von 1,9 Millionen Franken. Neben der Erneuerung des Spitalabkommens mit Basel-Stadt sieht das Programm zudem optional den Bau eines neuen Spitals im unteren Kantonsteil vor.

1958
Baustart für das Kantonsspital Liestal mit einer Bettenzahl von 357.

1962
Die paritätische Fachkommission BS/BL stellt unter dem Eindruck des Bevölkerungswachstums und von Wartelisten in den städtischen Spitälern den Antrag, die Planung eines Bezirksspitals im unteren Kantonsteil in Angriff zu nehmen.
Eröffnung des neuen Kantonsspitals in Liestal.

1965
Auf Antrag des Regierungsrates verabschiedet der Landrat einmütig das Vorprojekt für das Bruderholzspital mit rund 520 Betten für Erwachsene und Kinder.

1966
Verabschiedung des neuen Spitalabkommens BS/BL. Die beiden Kantonsregierungen halten fest, dass der Kanton Basel-Landschaft «in stark vermehrtem Masse» für die Beschaffung eigener Spitalbetten zu sorgen habe.

1968
Die paritätische Fachkommission BS/BL empfiehlt – basierend auf den optimistischen Bevölkerungsprognosen, die für Baselland bis 1995 mit 348‘000 Einwohnern rechnet – die erste Bauetappe des Bruderholzspitals möglichst umgehend zu realisieren.

1969
Der Landrat verabschiedet den Baukredit für das Bruderholzspital von 112 Mio. Franken.

1973
Eröffnung des Bruderholzspitals.

1994
Mit dem Beitritt des vormals bernischen Bezirks Laufen zum Kanton Baselland erhält auch dessen Spitallandschaft Zuwachs. Das Feningerspitals in Laufen ist im Laufentalvertrag als Kantonsspital mit Grundversorgung auf dauernd garantiert.

1996
Die Universität Basel ernennt Hans Kummer, Chefarzt des Bruderholzspitals, zum ordentlichen Professor für Innere Medizin. Das Bruderholzspital wird damit zur ersten Universitätsklinik ausserhalb von Basel-Stadt.

1997
Der in Liestal tätige Bernhard Leibundgut wird erster Chefarzt der Urologischen Universitätsklinik beider Basel. Damit wird das Ordinariat für Urologie der Universität Basel in das Kantonsspital Liestal verlagert.

1998
In Liestal können das neue Bettenhaus 2 und das chirurgische Ambulatorium in Betrieb genommen werden.

1999
In Analogie zum Bruderholzspital wird Werner Zimmerli als Ordinarius für Allgemeine Innere Medizin gewählt und die Klinik im Kantonsspital Liestal in eine Medizinische Universitätsklinik umbenannt.

2002
40 Langzeit-Patienten wechseln in die neue Alterspflegeabteilung im 5. Stock des Kantonsspitals Liestal. Das Provisorium im Pavillon neben dem Krankenhaus ist damit zu Ende. Das erweiterte Kantonsspital wird – nicht budgetkonfrom, aber termingerecht – eingeweiht.

2007
Verabschiedung der Revision des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) im Bereich der Spitalfinanzierung durch die eidgenössischen Räte. Die Revision soll insbesondere das Kostenwachstum im stationären Spitalbereich eindämmen, ohne die Sicherstellung des Zugangs zu einer qualitativ hochstehenden Versorgung zu gefährden.

2008
Einführung der Globalbudgetierung für die kantonalen Spitalbetriebe.

2012
Inkraftsetzung der neuen Spitalfinanzierung mit leistungsbezogenen Tarifen und freier Spitalwahl.
Ausgliederung der Spitalbetriebe aus der kantonalen Verwaltung. Zusammenfassung der Standorte Liestal, Bruderholz und Laufen zum «Kantonsspital Baselland KSBL» in Form einer eigenständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt und Einsetzung eines Verwaltungsrates.

2013
Der Landrat beschliesst einen Verpflichtungskredit 2014–16 an das KSBL zur Deckung der «gemeinwirtschaftlichen Leistungen» der Spitäler. Indem er die Bezuschussung der Frauenklinik in Laufen – im Sinne der Aufrechterhaltung von Spitalkapazitäten aus regionalpolitischen Gründen – nur noch für das Jahr 2014 genehmigt, beschliesst der Landrat de facto deren Schliessung auf Ende 2014.

2014
Schliessung der Gynäkologie- und Geburtshilfeabteilung am Standort Laufen wegen zu geringer Fallzahlen.

2016
Schliessung der Frauenklinik am Bruderholzspital. Das private Bethesda-Spital in Basel übernimmt das Angebot und einen Grossteil des Personals. Das Universitätsspital Basel erhöht parallel seine Kapazitäten von fünf auf acht Gebärsäle.

2017
Die Bruderholz-Initiative, die den Erhalt einer «erweiterten Grundversorgung» am Standort Bruderholz (sowie einer Grundversorgung mit Notfall in Laufen) im Spitalgesetz BL festgeschrieben hätte, wird mit 67,2 % abgelehnt.

2018
Unterzeichnung des Staatsvertrages zur Bildung einer gemeinsamen Spitalgruppe zwischen dem Universitätsspital Basel (USB) und dem Kantonsspital Baselland (KSBL).